Petition/Briefaktion gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Der Fall von Herrn Sabur Frotan, der bei der ersten Sammelabschiebung nach Afghanistan 14.12.16 schon fast im Flieger saß und nur durch den unermüdlichen Einsatz seiner Anwältin einen Aufschub bis zum 26.1.17 erhalten hat, steht exemplarisch für die Unmenschlichkeit und Unsinnigkeit von Abschiebungen gut integrierter Menschen.

Der Helferkreis HTS aus München berichtet dazu:

Sabur Frotan ist seit 5 Jahren in Deutschland, völlig integriert, spricht sehr gut Deutsch, arbeitet, zahlt Steuern, hat keine Probleme mit der Polizei und sich auch sonst nie etwas zu Schulden kommen lassen. Er hat sich an seinem derzeitigen Arbeitsplatz als ungelernte Arbeitskraft so bewährt, dass man ihm einen Ausbildungsplatz angeboten hat. Durch die Abschiebungsbemühungen der Ausländerbehörde wurde die Umsetzung vorläufig verhindert.

Er sitzt nun wieder – seit Mitte Oktober – in Abschiebehaft. Was das mit Menschen macht, muss ich Ihnen wahrscheinlich nicht beschreiben. Daher möchte ich Sie alle als Ehrenamtliche aufrufen, sich baldmöglichst an den Petitionen etc. zu beteiligen und Ihre Stimme zu erheben. Alleine werden wir oft nicht gehört, aber gemeinsam sind wir stark.

In all diesen Aktionen können Sie sowohl allgemein gegen Abschiebungen nach Afghanistan protestieren oder speziell gegen die Abschiebung von Sabur.

Über Sabur Frotan berichtet u.a. die Süddeutsche Zeitung in mehreren Artikeln:

Ähnliche Fälle sind nicht selten; so berichtet etwa die Münchener Abendzeitung über den „Vorzeige-Flüchtling“ Saleh Zazai:

Saleh Zazai ist ein Vorzeige-Flüchtling, ein leuchtendes Beispiel für gelungene Integration: Der 31-Jährige hat einen Arbeitsplatz, eine eigene Wohnung und sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Er ist beliebt bei Vorgesetzten und Kollegen, spielt Volleyball im Verein – und soll trotz allem abgeschoben werden. Denn Saleh Zazai ist Afghane.

Aber Abschiebungen nach Afghanistan sind nicht nur bei gut integrierten Flüchtlingen ein Problem: 1.600 Toten und mehr als 3.500 verletzte Zivilist*innen allein im ersten Halbjahr 2016; Terroranschläge wie in Kabul oder im von der Regierung zuvor als sicher eingestuften Masar-i-Sharif zeigen ganz klar: Afghanistan ist nicht sicher.

Menschenrechtsorganisationen wie Pro Asyl und Amnesty International lassen keinen Zweifel daran, dass Abschiebungen in Krisengebiete wie Afghanistan gegen das  Völkerrecht verstoßen.

In einem Artikel auf tagesschau.de („Afghanistan: Keine Sicherheit, nirgends“)  liest man dazu:

Tausende afghanische Flüchtlinge will die Bundesregierung in ihr Heimatland zurückschicken – es gebe dort genug sichere Regionen. Monitor-Reporter waren in einer der angeblich sichersten Regionen unterwegs. Sie haben einen ganz anderen Eindruck gewonnen.

Um in den angeblich sichersten Teil Afghanistans zu fahren, benötigt man vor allem zweierlei: eine Schutzweste Stufe IV (ballistisch). Und eine Begleitmannschaft, deren Kampfgeist durch den Respekt vor Gesetzen nicht gehemmt wird.

Wir unterstützen daher den Aufruf des Münchener Helferkreises, sich per Brief oder Petition am Protest zu beteiligen:

Einen vom Helferkreis München entworfener Beispielbrief finden Sie hier.

 

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